Abwesenheit von Gemeinsinn

Die moderne arbeitsteilige Wirtschaftsweise ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenwirkens verschiedener Glieder der Gesellschaft. Durch die Art und Weise, wie jedoch unter den heutigen Verhältnissen das wirtschaftliche Leben und die mit diesem in Beziehung stehenden anderen Glieder des sozialen Ganzen zusammenwirken, werden die historisch als Staaten gewachsenen Gesellschaften in ihrer Existenz zunehmend in Frage gestellt. Denn der aus der erzwungenen Öffnung für Kapital und Waren der einzelnen Volkswirtschaften sich verschärfende Standortwettbewerb führt im Sinne der Maximierung der Kapital-Rendite dazu, dass immer mächtiger werdende Finanzeliten ausufernden Staatsverschuldungen und der Verarmung weiterer Bevölkerungskreise mit allen sich daraus ergebenden Systemproblemen gegenüberstehen. Bei der sich abzeichnenden Systemkrise handelt es sich nicht bloss um ein etwa durch staatliche Interventionen oder mittels privater Spenden zu entschärfendes Verteilungsproblem, sondern um ein eigentliches Erkenntnisproblem. Denn es geht ja darum, sachlich begründet herleiten zu können, nach welchen Modalitäten und mittels welcher Einrichtungen in der modernen arbeitsteiligen Gesellschaft das volkswirtschaftliche Leistungserträgnis entsprechend dem real vorhandenen Bedarf seinen verschiedenen Gliedern kontinuierlich zugeführt werden soll, damit eine prosperierende Entwicklung der Gesellschaft stattfinden kann.

Ohne eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung, ein gesamtwirtschaftliches Verständnis und ohne gesellschaftliches Vertrauen, wodurch der Einzelwille sich mit dem überschauenden Gemeinsinn identifizieren kann, würde alles Wirtschaften nur unter das Verhältnis von Konkurrenz und Suchen von Vorteilen geraten, was letzten Endes zu einem totalen gesellschaftlichen Verfall führen müsste.

Ausführlicheres über die Abwesenheit von Gemeinsinn findet sich im Buch "Das Neue Geld".
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