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Aufbau der Gesellschaft

Die Tyrannis der Ware Kapital und Arbeit

Die Verquickung von Einkommen und Leistungserträgnis erzeugt das Problem der Konjunktur.

Alle Leistungserträgnisse insgesamt teilen sich nach heutiger Rechtsordnung auf in Arbeits- und Kapitaleinkommen. Ihre Höhe ist wiederum davon abhängig, inwieweit sich alle Einkommen insgesamt in Leistungserträgnisse umwandeln. Also, Leistungserträgnisse und Einkommen bedingen einander unmittelbar.

Eine Vermehrung des Kapitals im Sinne einer nominell erfassbaren Wertsteigerung des Eigentums oder mittels einer Erhöhung des Leistungserträgnisses ist abhängig von einer Vermehrung der materiellen Produktion bei simultaner Erhöhung der Geldmenge. Die Kapitalrendite muss wieder in den Wirtschaftsprozess eingespeist werden, sonst schrumpfen die Arbeitseinkommen und damit eben auch die Summe der Leistungserträgnisse. Die Einspeisung kann Erstellung neuer Produktionsmittel oder reinen Verbrauch bedeuten, aber nur ersteres erhält oder vermehrt das Kapital, was auf eine permanente Erhöhung materieller Leistungen, auf Kosten immaterieller hinausläuft. Denn immaterielle Leistungserbringung erhält sich durch Kapitalverzehr. Einer Erhöhung der materiellen Produktion durch Produktivitätszuwachs muss eine Geldmengenerhöhung einhergehen, weil sonst die Preise, die Leistungserträgnisse und damit die Kapitalrendite sinken. Kapitalakkumulation beruht darauf, dass der Rationalisierungsgewinn weiterer Kapitalvermehrung nutzbar gemacht wird; sie ignoriert, dass der Gegenwert der Rationalisierung dem Unterhalt eines Bildungs- und Kulturleben dient, dem die Rationalisierung zu verdanken ist.

Wirtschaftlich-finanzielle Auswirkung heutigen Eigentums; systemimmanente Probleme

Aufgrund zunehmender Produktivität dank unternehmerischer Fähigkeit können Arbeitsleister einen „Mehrwert“ im Sinne eines Kapitalertrages erbringen; ausserdem können Arbeitsleister aus der materiellen Produktion freigesetzt werden. Beide Errungenschaften der kapitalistischen Wirtschaftsordnung sind an und für sich nicht negativ zu beurteilen; denn sie erhalten den Zivilisationsprozess. Entscheidend ist, wie sie gesellschaftlich gehandhabt und zur Erhöhung der Zivilisation genutzt werden. In dem Verhältnis, das in dem Zusammenwirken von Kapital und Arbeit entsteht, zeigt sich ein Dreifaches:

Wird das eigentlich rechtliche Verhältnis des Eigentums zu den davon Ausgeschlossenen aus nur wirtschaftlichen Antrieben heraus geordnet, wird mit der Verfügung über die Produktionsmittel die Arbeit und der aufgrund individueller Fähigkeiten erzielte Produktivitätsgewinn in ein bloss nach Eigentümernutzen geregeltes Wirtschaftsleben eingespannt. Ein solches Wirtschaftsleben, dessen Antrieb die Erzeugung von Geldwerten ist, wirkt als zerstörerischer Mechanismus:

Leistungsertraegnis

Die Kapitalrendite muss ständig aus dem Leistungserträgnis extrahiert werden, um dann aber wiederum über Arbeitseinkommen neues Leistungserträgnis zu schaffen. Die Polarisierung des Leistungserträgnisses in Kapitalrendite und Arbeitseinkommen führt zu Wachstumszwang und Verschleisswirtschaft, eine sich in die Höhe schraubende Spirale. Zur Aufrechterhaltung oder Steigerung der Kapitalrendite wird die Produktion aus dem gewachsenen Sozialverband an Orte verlegt, wo die Arbeitskosten aus anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen heraus noch billiger sind. Dabei entsteht das Problem der Einkommensbildung zunächst im Raum der ausgelagerten Produktion. Offen bleibt, wieweit Dienstleistungen allein materielle Produktion bezüglich Einkommen zu kompensieren vermögen. Das Kapital ist bestrebt, Einbussen im Sektor der materiellen Produktion durch Übernahme von Infrastruktur wettzumachen. Wenn die Kapitaleinkommen aus Gründen der materiellen Sättigung oder der Produktionsauslagerung im herkömmlichen Sozialverband nicht mehr zu Arbeitseinkommen werden, entsteht dort ein konjunktureller Einbruch. Dass der Lebensstandard davon bestimmt wird, ob viel oder wenig konsumiert wird, ist eine auf heutiger Realität beruhende Zwangsvorstellung. Eine zunehmende Verschuldung gerade der öffentlichen Hand zur Kompensation von Einkommenseinbussen wird mittels einer ständigen Ausweitung der Geldmenge ermöglicht, da die Notenbankgeldmenge in keinem inneren Zusammenhang mit der Produktion steht. Aus der Macht des Geldkapitalismus ist ein die produktive Wirtschaft belastender Finanzsektor entstanden. Er spiegelt vor, eine wachsende Anzahl Menschen zur Kapitalverwaltung (Spekulationen) zu beschäftigen, aber mit im Grunde imaginären Leistungserbringungen als reine Verbraucher und mit parasitärer Einkommensbeschaffung. Bleibt das Arbeitseinkommen schon im Unbestimmten gegenüber dem Wert der Leistung: so erst recht das Einkommen von Erbringern immaterieller Leistungen und "reinen" Verbrauchern, Lehrern, Ärzten, Pensionierten, Kindern, indem sie aus Abgaben (Steuern, Versicherungen) auf eben den Arbeitseinkommen beruhen. Infolge eigentumsbedingter Trennung vieler Menschen vom Boden fallen sie ohne garantiertes Einkommen aus Leistungen ausserhalb der Bodenproduktion - oder notgedrungen aus staatlichen Mitteln - ins Bodenlose: Konsequenzen sind soziale Verwerfungen, Migration, Gettoisierung.

Heutiges Eigentum und individuelle Fähigkeit

Die Geldwirtschaft in Verbindung mit dem Eigentum hat zu einer Kapitalbildung geführt, die eine enorme Steigerung der Leistungserbringung zur Folge hatte. Denn auf der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungsstufe ist Kapital das Mittel, durch das individuelle Fähigkeiten für weite Gebiete des sozialen Lebens nutzbringend wirksam werden können. Und eine fruchtbare Betätigung individueller Fähigkeiten mittels Kapital kann nicht ohne freie Verfügung über dieses eintreten. Vermittelt wird diese freie Verfügung durch das Eigentum. Damit sind zwei Dinge im gesellschaftlichen Leben verbunden, die für dasselbe von ganz verschiedener Bedeutung sind: Die freie Verfügung über Kapital und das Rechtsverhältnis, in das der Kapitaleigentümer durch sein Verfügungsrecht mit anderen Menschen tritt, die davon ausgeschlossen sind. Nicht die ursprüngliche freie Verfügung wirkt im gesellschaftlichen Leben schädlich, sondern wenn das Recht auf diese fortbesteht, während die Bedingungen, unter denen einem Einzelnen oder einer Gruppe die freie Verfügung übertragen wurde, nicht mehr gegeben sind. Dann wirkt Kapital als Werkzeug der Macht anstelle der Fähigkeiten


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